Der Vereinsblog

11. Mai 2012

Alexandra Bircken bei whitetube.de

Abgelegt unter „Sehenswert ” von Beate Anspach um 13:32

30. April 2012

The Glasgow experience

Abgelegt unter „Reisebericht,Sehenswert ” von Schlagwörter: , , , — Beate Anspach um 15:18

Das gute Wetter ist es wohl nicht, welches einen nach Glasgow führt. Aber aus Hamburg kommend, ist man ja einiges gewohnt. Es ist vor allem die Musik- und Kunstszene, die Glasgow weithin bekannt gemacht hat. Und sie hat einiges zu bieten. Davon konnte ich mir am vorletzten Wochenende beim Start des Glasgow International Festival of Visual Art einen guten Eindruck verschaffen. Mehr als 40 Ausstellungen oder Performances listet das Programmheft des Festival. Ich glaube, die Hälfte davon habe ich an drei Tagen gesehen. Hier also nur ein paar Highlights:

Großartig ist die Ausstellung von Karla Black in der Gallery of Modern Art mitten im Stadtzentrum. Sie hat den zentralen Ausstellungsraum im Erdgeschoss des altehrwürdigen Gebäudes mit zwei neuen Arbeiten komplett eingenommen. Die Bodenarbeit „Empty Now“ besteht aus 17 Tonnen Sägemehl in unterschiedlichen Farbschattierungen, die Schicht für Schicht zu einem ca. 1,50 m hohen, rechteckigen Block aufgetürmt wurden. An einigen Stellen gibt es kleine Eingriffe in die fragile Struktur, hin und wieder ergänzen kleinere Objekte die Arbeit. Das eigentlich so leichte und fast staubige Material wird durch die schiere Masse zu einem festen und imposanten Körper transformiert.

Karla Black, Empty Now, 2012Karla Black, Empty Now, 2012

 

Und über dieser Skulptur hingen die 170 kleinen Arbeiten „Will Attach“ von der Decke. Arrangiertes Cellophan mit Farb- oder Gipsspuren in Gold und Rosa. Die gesamte Installation korrespondierte farblich gekonnt und schuf gleichzeitig durch die Verwendung der „einfachen“ Materialien einen starken Kontrast zur prunkvollen Gestaltung des Raums. Zeitgenössische Kunst trifft Klassizismus, ein sehr gelungener clash.

Karla Black, Will Atach, 2012

 

Einen ebenso beeindruckenden Raum hatte sich die in Berlin lebende Künstlerin Nairy Baghramian für ihre neue Arbeit ausgewählt: den großen Lesesaal der 1911 eröffneten Mitchell Library, Europas größter Präsenzbibliothek. Sie spannte eine Metallröhre diagonal durch den Raum und teilte ihn dadurch in zwei unterschiedliche Teile. Und obwohl kein Schild darauf hinwies, blieben alle Besucher vor der „Absperrung“ stehen und keiner betrat den hinteren Teil des Raumes.

Nairy Baghramian, Spanner (Stretcher/Loiterer)

 

Nairy Baghramian, Spanner (Stretcher/Loiterer)

 

In einem Nebenraum hatte die „Art Lending Library“ ihr Ausleihdisplay aufgebaut und verlieh nun Kunstwerke an die Öffentlichkeit. Ein bekanntes Prinzip in Deutschland, wo einige Kunstvereine eine angeschlossene Artothek haben. In Glasgow ist das offensichtlich neu und unbekannt und fand deshalb große Aufmerksamkeit. Ein Großteil der mehr als 60 Arbeiten fand Interessenten und befindet sich jetzt wahrscheinlich schon in Privaträumen.

Art Lending Library

Nicht weit von der Mitchell Library entfernt, in einem merkwürdigen Bürogebäude an der Autobahn, versammelte die Gruppenausstellung „Petrosphere“ Arbeiten von schottischen und griechischen Künstlern. Dort wurden auch zwei Siebdruckarbeiten von Ciara Phillips gezeigt, die 2010 Teil der Ausstellung „Zwischenraum : Space between“ bei uns im Kunstverein war.

Ciara Phillips, And other options, 2012

Das zweite große Projekt des GI Festival (neben Karla Black) war mit Sicherheit die Außenarbeit von Jeremy Deller. Er installierte in einem zentralen Park in der Stadt die aufblasbare Replik von Stonehenge, DEM bekannten Monument Englands. Die grüne Hüpfburg wird jeden Tag neu aufgeblasen und ist der zentrale Treffpunkt für die Bewohner der Stadt und die Besucher des Festivals. Ein großer Spaß! Und gleichzeitig ein gelungener Kommentar auf die weltweiten Kunstspektakel, wie es der Guardian so schön formulierte: „Celebratory, interactive and possibly even educational, it ticks all the public art boxes. On the other hand, Deller might be pointing out that our greatest and most solemn monuments have all become sites of entertainment nowadays. Hooray for our increasingly infantilised culture. No wonder his work is called „Sacrilege“, even if only druids will take offence. This is not bad art; it’s life.“ Im Anschluss an Glasgow tourt die Arbeit weiter nach London, wo sie dann ein Kunsthighlight zur Olympiade bilden wird!

Jeremy Deller, Sacrilege, 2012

 

Jeremy Deller, Sacrilege, 2012

 

Jeremy Deller, Sacrilege, 2012

Sehr viel leiser ist dagegen die Ausstellung von Wolfgang Tillmans in The Common Guild. Die relativ wenigen Arbeiten, verteilt in einem wunderbaren Gebäude mit einem großartigen Blick über die Stadt, umfassen verschiedene Phasen seines Schaffens: von Portraits bis hin zu monochromen Arbeiten. Es sind kleine, neben Spiegeln aufgestellt Bilder oder wandfüllende Drucke, die eine fast familiäre Stimmung verbreiten. Als würde dort wirklich mit den Arbeiten gewohnt.

Eine große Überraschung war die Ausstellung bei Kendall Koppe, einer Glasgower Galerie für zeitgenössische Kunst. Dort wurden Arbeiten des amerikanischen Grafikdesigners und Künstlers Emory Douglas gezeigt, der vor allem für seine Arbeiten für die Black Panther Party bekannt geworden ist. Neben ausgewählten Zeitungsseiten, die er in den 1960er und 1970er Jahren gestaltete, wurde auch eine große Wandarbeit realisiert, die auf eine seiner Illustrationen zurückging. Der Kunstverein hat im letzten Jahr Arbeiten von Emory Douglas in der Ausstellung „Freedom of Speech“ gezeigt. Ihn nun persönlich in Glasgow zu seiner Ausstellungseröffnung zu treffen, war eine große Freude.

Installationsansicht Emory Douglas

Installationsansicht Emory Douglas

In einem Gewerbegebiet etwas außerhalb des Stadtzentrums in einer architektonisch sehr beeindruckenden Schule präsentierte Ruth Ewans ihr Projekt „The Glasgow Schools“. Anhand von Flyern, Pamphleten und Fotos dokumentierte sie die kurze, aber sehr intensive Zeit der Sozialistischen Schulen in Glasgow. Sie hatten sich in den 1920er Jahren im bewussten Kontrast zu den christlichen Sonntagsschulen gebildet und sich der Vermittlung des Sozialismus und den Ideen des Proletariats gewidmet. Einige dieser Schulen blieben sogar bis in die 1980er Jahre aktiv. Begleitet wurde die Präsentation am Eröffnungswochende von Vorträgen und Workshops. Besonders beeindruckend war dabei der sozialistische Zauberer, der als Marx-Bauchredner auftrat und auf wundersame Weise Pfundnoten vermehrte.

Ruth Ewan, The Glasgow Schools

Ruth Ewan, The Glasgow Schools

Scotland Street School Museum

Zum Schluss besuchte ich noch die Performance von Kelly Nipper in Tramway, einem ehemaligen Straßenbahndepot, welches mich sowohl von den Räumen als auch dem Programm sehr an Kampnagel erinnerte. Kelly Nippers Installation und Performance „Black Forest“ bestand aus großflächigen und bedruckten Stoffbahnen, die von der Decke hingen oder den Boden bedeckten. Im Mittelpunkt stand eine Gruppe von vier Tänzerinnen, die auf wechselnde Anweisungen hin Arme und Beine bewegten oder sich auf dem Boden liegend in bestimmten Rhythmen drehten. Sie beziehen sich dabei vor allem auf den Choreographen und Bewegungstheoretiker Rudolf von Laban, den Lehrer z.B. von Mary Wigman. Den merkwüdigen Bezug zum Black Forest: „For Nipper, the Black Forest is seen as a site of Industry and productivity but also a site of myths and stories“ konnte ich nicht nachvollziehen, den hat es aber auch nicht gebraucht. (Ich durfte leider keine Fotos machen und die Bilder auf der Website geben leider nur einen schlechten Eindruck, aber besser als nichts.)

Am Ende musste ich mich mit Fish’n Chips stärken und im Botanischen Garten erholen. Großartiges Wochenende!

Fish'n Chips

Botanic Garden

19. April 2012

Art Cologne 2012

Abgelegt unter „Review,Sehenswert ” von Annette Hans um 15:37

„Kontrastprogramm“ war wohl das Motto, unter dem mein Kölnbesuch stand: Erst ins Museum Ludwig zu Cosima von Bonin und „Vor dem Gesetz“ – in sich schon einmal museumsinternes Kontrastprogramm – und dann zum Overkill der Messe. Ich bin leider auch vollkommen ungeeignet für jegliche Kunstmesse und tauche am Ende jedes Mal aus einer Blase der Ernüchterung auf.

Der Start war auf jeden Fall ein guter. Die letzte Station von „The Lazy Susan Series“ von Cosima von Bonin zusammen mit diversen anderen Künstlern, Schreibern, Musikern usw. empfing als Overkill mit atmosphärischem Kuschelfaktor. Zusammen mit Moritz von Oswalds verschiedenen Klängen, die man sich mal hübsch selbständig aus nebeneinander hängenden Kopfhörern zum Soundtrack machen, mal als Hintergrundrauschen konsumieren konnte oder musste, hat sie eine Inszenierung des Oben und Unten, des Drinnen und Draußen, des Aus- oder Eingesperrtseins geschaffen, die sich immer wieder in betonter Haptik aufgedrängt hat und mich ganz herrlich sympathisieren und teilhaben ließ.

Cosima von Bonin's Cut! Cut! Cut! For Museum Ludwig's Sloth Section, Loop #04 Of The Lazy Susan Series, A Rotating Exhibition 2010 - 2012

Cosima von Bonin's Cut! Cut! Cut! For Museum Ludwig's Sloth Section, Loop #04 Of The Lazy Susan Series, A Rotating Exhibition 2010 - 2012

Cosima von Bonin's Cut! Cut! Cut! For Museum Ludwig's Sloth Section, Loop #04 Of The Lazy Susan Series, A Rotating Exhibition 2010 - 2012

Cosima von Bonin's Cut! Cut! Cut! For Museum Ludwig's Sloth Section, Loop #04 Of The Lazy Susan Series, A Rotating Exhibition 2010 - 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine halbe Treppe höher dann der klassische Gegensatz in der Ausstellung „Vor dem Gesetz“, die laut Vorwort zum Ausstellungsheft zeigt, „dass sich Kunst bis zum heutigen Tage den essentiellen Fragen nach Menschlichkeit, Recht und Unrecht stellt und sie so konzentriert formulieren kann, wie es kein anderes Medium vermag.“ Ob das so ist, würde ich mal dahin gestellt lassen, aber die Konzentration auf skulpturales und räumliches Arbeiten funktioniert sehr gut und auch der Bogenschlag von historischen zu zeitgenössischen Positionen geht auf und ergibt eine intensive und sensible Präsentation. Den Arbeiten ist viel Raum zugestanden worden und die Platzierungen sind achtsam gewählt. Besonders die vielen Ausblicke, die die Fensternischen und –räume des Ludwig bieten, sind auffallend gut genutzt worden. Die theatralische Arbeit von Karla Black zum Beispiel, deren stellenweise eingefärbtes Gipsfeld wie ein Mahnmal von ebenso fragilen Plastikbändern umrahmt und aufgeladen wird, kann sich dem voll durchfensterten Raum ohne Weiteres stellen. Nein, stellen ist das falsche Wort: Hier tritt nicht einer gegen den anderen an, sie haben unmittelbar mit einander zu tun. Erstaunt hat mich nur der Film von William Kentridge, der mir wie ein Bruch erschien.

Die Messe bot natürlich keinerlei Raum und auch wenig Sensibilität – aber wie soll sie auch. Zu sehen gab es einige kleine, aber feine Norbert Kricke Arbeiten in der klassischen Halle, ebenso wie natürlich das eine oder andere Schätzchen,  von denen ich mich immer wieder frage, wo die nun immer noch herkommen.

 

Oben dann, im zeitgenössischen Areal, sind mir besonders hängen geblieben die Arbeit von Claus Richter bei Clages, auch die William Copleys bei Linn Lühn sowie der Stand von Reception aus Berlin. Weiterhin Guillaume Leblons Drucke (wo? vergessen) und die Fotos von Annette Kelm bei Johann König: Kompositionen aus Eisenspänen, die auf dem leicht farbigen Papier aus der Ferne wie abstrakte Malerei anmuten und erst in der Nahsicht ihren magnetischen Ursprung preisgeben. Laura Owens bei Capitain hat mich daran erinnert, wie gern ich ihre Ausstellung in der Galerie im letzten Jahr mochte und bei BQ – mit einem grundsätzlich schönen Stand – hat es mir besonders eine Arbeit mit Eierschale von Alexandra Bircken angetan.

Claus Richter bei Clages

Claus Richter bei Clages

Alexandra Bircken bei BQ - gesamt

Alexandra Bircken bei BQ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie ein Alien kam der Stand von Jocelyn Wolff daher, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Performance im Messekontext zu zeigen: Das Künstlerduo Prinz Gholam performte zu gesetzten Zeiten nicht auf der Messe, sondern in seinem Studio in Berlin, was per Skype übertragen wurde. Ansonsten blieb die Projektion ödes Standbild. Antizipierend, dass sich vermutlich ohnehin niemand die Zeit nehmen würde, ihre Performance anzusehen, hatte sie gleich vorgesorgt und selber ein paar Betrachter eingebaut: Einige Arbeiten von Miriam Cahn, die Augen betont in den Vordergrund stellten, bildeten das Dauerpublikum.

 

Last but not least am Ebertplatz der Single Club – wobei ich mir den Part im Nachhinein gerne erspart hätte, aber aufgrund eines vorherigen Besuchs in Düsseldorf, der wesentlich erfreulicher war, trotzdem gerne auf die Webseite verweisen möchte: http://www.single-club.in/

30. März 2012

Reisebericht New York

Abgelegt unter „Reisebericht,Review,Sehenswert ” von Beate Anspach um 13:00

25 Grad und Sonnenschein führen bei den New Yorkern sofort zum Anziehen der Shorts und Flip Flops. Der Winter dort muss lang und kalt gewesen sein. Und natürlich sah der Central Park mit den blühenden Kirschbäumen auch wirklich beeindruckend aus. Es ist eben immer noch DIE Oase der Stadt.

Kirschblüte im Central Park

Direkt vor dem Eingang in den Park befindet sich ein neue, übergroße Skulptur des Künstlers Michael Sailstorfer. Die Arbeit „Tornado“ – eine Skulptur aus LKW-Reifen, die versetzt um eine Betonsäule angebracht sind – entwickelt durch ihre Größe, das Gewicht und die leicht schief stehende Haltung wirklich das Gefühl eines hereinbrechenden Tornados. Es ist nicht die einzige Kunst im öffentlichen Raum, die New York zu bieten hat, aber sicherlich die jüngste.

Michael Sailstorfer, Tornado, 2011

Ein für New York ganz unbekanntes Erlebnis stellt die neue High Line in Chelsea dar. Die stillgelegte U-Bahn-Trasse wurde auf Initiative der Anwohner in eine begehbare Flaniermeile oberhalb der vielbefahrenen Straßenschluchten der Stadt verwandelt, die nun nicht nur Touristen und Bewohnern neue Ausblicke und Einblicke gewährt, sondern offensichtlich auch von zahlreichen Vogelarten bevölkert wird. Die futuristisch anmutende Installation besteht aus zahlreichen Vögelhäusern, die – obwohl in direkter Nachbarschaft zu den Passanten – zahlreich genutzt werden.

Vogelhäuser auf der High Line

 

Blick durch Panzerglas auf Straßen

 

Auch wenn die High Line wohl die einzige Strecke in NYC ist, auf der sich noch kein Starbucks niedergelassen hat, so ist die Gentrifizierung – wie fast überall in der Stadt – auch hier bereits angekommen. Die imposanten Wohnblöcke werden nun mit Blick auf den Hudson und den „Garten“ vor der Haustür angepriesen und wahrscheinlich gleich doppelt so teuer verkauft.

Apartements on High Line

In einer Seitenstraße unterhalb der Trasse haben sich zahlreiche internationale Galerien angesiedelt und dafür beeindruckende Räumlichkeiten in white cubes verwandelt. Neben Gagosian oder Metro Pictures befindet sich dort auch die Andrea Rosen Gallery, bei der noch die Ausstellung „Cultural Production“ mit Arbeiten von Hanne Darboven, Josephine Meckseper, Allen Ruppersberg und Alexandre Singh zu sehen waren. „The works in this exhibition all display an economy of materials to broaden the scope of what art can be and what it can hope to achieve.“ Gut, ob das eingelöst wurde, sei dahin gestellt. Aber trotzdem war es eine der besten Galerie-Ausstellungen, die ich in New York gesehen habe. Was sicherlich an den beeindruckenden Einzelarbeiten der KünstlerInnen lag.

 

Hanne Darboven bei Andrea Rosen

 

Alexandre Singh


Ebenfalls in Downton, im East Village, befindet sich das neu gebaute New Museum of Contemporary Art, dessen beeindruckende Außenfassade derzeit von einer Arbeit von Isa Genzken flankiert wird. Dabei ist das New Museum eigentlich kein Museum, sondern vielmehr eine Kunsthalle, in der wechselnde Ausstellungen präsentiert werden.

Isa Genzken

 

Derzeit wird in den fünf Stockwerken des Hauses die New Museum Triennale „The Ungovernables“ präsentiert. Eine Gruppenausstellung mit mehr als 30 Künstlern oder Künstlergruppen, die alle zwischen Mitte der 1970er und 1980er Jahren geboren sind. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Danh Vo mit seiner Arbeit, die auch schon in der Kunsthalle Fridericianum zu sehen war), waren mir die meisten KünstlerInnen bisher noch nie begegnet. Der Blick der Kuratoren ging eindeutig in die künstlerische „Peripherie“ nach Mexiko, Thailand, Kolumbien, Argentinien oder Indonesien. Inhaltlich beschäftigten sich die KünstlerInnen mit aktuellen, gesellschaftlichen Themen ihres Landes aber auch ihrer Generation im Allgemeinen. Wie arrangiert man sich mit der Geschichte? Der Vorstellung der globalen Welt? Welche Gesellschaftsform ist erstrebenswert? Das klingt jetzt irgendwie nach den schon fast üblich gewordenen Biennale-Themen weltweit, wurde durch die Zusammenstellung der Positionen aber doch noch einmal anders beleuchtet. Es war also wirklich eine Entdeckung, auch wenn das nicht immer für die Präsentation der Arbeiten zutraf. Die Zusammenstellung der Arbeiten erfolgte oftmals nicht nach inhaltlichen, sondern eher nach räumlichen Gegebenheiten, wodurch gegenseitige Verweise und Bezüge nur schwer herzustellen waren.

„The Ungovernables“ im New Museum

 

Und das einzelne Räume in Museen von Sponsoren gestiftet werden, ist ja auch in Deutschland keine Besonderheit mehr. Das aber auch die Treppen zu den Toiletten heute schon die Namen von Sponsoren tragen, ist dann doch ungewöhnlich:

Gesponsorte Treppenstufen zu den Toiletten

 

Besonders faszinierend fand ich das Garderoben-System, welches eher aus Reinigungen bekannt ist. Es funktioniert auch in gleicher Weise, lässt sich also bis zu einem bestimmten Punkt auf Knopfdruck bewegen und ist unglaublich platzsparend. Ein echtes Highlight, welches wohl weit verbreitet ist, denn das MoMa hat ein ähnliches (nur noch größeres) System. Und groß ist das Besucherinteresse daran wohl auch nicht, denn meine technischen Fragen und der Wunsch zum Fotografieren wurde eher kopfschüttelnd aufgenommen.

Garderobe im New Museum

In unmittelbarer Nähe zum New Museum befindet sich die Kiki Kogelnik Foundation. Sie verwaltet, archiviert und betreut den umfangreichen Nachlass von Kiki Kogelnik, einer österreichischen Künstlerin, die viele Jahre in New York lebte und arbeitete. Für die bevorstehende Ausstellung im September im Kunstverein Hamburg wurde nun vor Ort die Sichtung und Auswahl der Arbeiten vorgenommen. Neben zahlreichen Zeichnungen wurden auch Leinwandarbeiten und Drucke ausgewählt.

In der Kiki Kogelnik Foundation

Zu Stärkung zwischendurch gab es ein Pastrami-Sandwich im legendären Diner Katz`s. Unglaubliche Portionen, aber sehr lecker.

Pastrami mit Pommes im Katz`s

Weiter uptown hat der amerikanische Künstler Matthew Brannon sein Atelier. Er zeigte uns nicht nur den Blick aus seinem Fenster, sondern auch seine aktuellen Arbeiten. Im letzten Jahr hatte uns Brannon bereits eine Jahresgabe zur Verfügung gestellt.

Im Studio mit Matthew Brannon

Weiter nördlich wartete dann natürlich noch das MoMa auf uns. Dort wurden neben der Sammlung die Ausstellungen von Cindy Shermann, Sanja Ivekovic und die Gruppenausstellung „Print/Out“ gezeigt. Die unterschiedlichen Zeitungscollagen, Siebdrucke und Papierarbeiten u.a. von Kippenberger, Tiravanija, Pardo, McKenzie oder Schütte wurden in einem sehr aufwendigen Display präsentiert. Das sah wirklich gut aus und hat die einzelnen Arbeiten visuell zusammengehalten und ihnen eine weitere Vermittlungsebene hinzugefügt. Und wer hätte es gedacht, einzelne Arbeiten hingen tatsächlich direkt unter der Decke!

Print Out

 

Print Out

(Apropos „Print/Out“: Welche Überraschung in einem Buchladen in SoHo. Unsere Henning Bohl Publikation direkt auf dem Kunst-Tisch mitten im Buchladen. Nicht schlecht!)

Henning Bohl Publikation in SoHo

 

Aber auch die anderen Ausstellungen im MoMa waren beeindruckend. Einige der neuen, großformatigen Arbeiten von Cindy Sherman kannten wir bereits von der letzten Venedig Biennale. Viele von den früheren Arbeiten, die ebenfalls in der Ausstellung versammelt waren, sind bekannt und wurden schon oft gezeigt. Und trotzdem entwicklten sie in dieser retrospektiv angelegten Ausstellung eine unglaubliche Wirkung und Austrahlung. Vielleicht auch gerade vor dem Hintergrund ihrer Präsentation in New York. Hier haben die Arbeiten ihren gesellschaftlichen und sozialen Kontext, den Sherman immer wieder zum Ausgangspunkt ihres Schaffens macht. Wenn sie, wie in der Serie aus dem Jahr 2008, die high society New Yorks zum Thema ihrer Fotografien macht, und diese dann selber im Ausstellungsraum vor den Arbeiten steht, ergibt sich eine interessante und irritierende Dopplung.

Cindy Sherman

Zum Glück konnten wir noch die Retrospektive von Sanja Ivekovic sehen, die letzten Sonntag zu Ende ging. Sie zeigte das umfangreiche Werk der kroatischen Künstlerin, welches mir bis auf einige markante Ausnahmen – wie die Performance „Triangle“ aus dem Jahr 1979 oder die Serie „Gen XX“ Ende der 1990er Jahre – weitgehend neu war. Die sehr zurückgenommene Ausstellungspräsentation ordnete die Arbeiten chronologisch. Dieser zeithistorische Kontext ermöglichte eine Einordnung der Arbeiten vor dem Hintergrund der damaligen politischen Situation. Außerdem zeigte es sehr eindrücklich die Kontinuität des dezidiert feministischen Ansatzes der Künstlerin. Zu sehen war auch ihre aktuelle Arbeit „Women`s House (Sunglasses)“, die in Anlehnung an prominente Anzeigenkampagnen für Sonnenbrillen gestaltet war und die Situation misshandelter Frauen in verschiedenen Ländern verdeutlicht.

Sanja Ivekovic

Außerdem befanden sich vier Arbeiten von Gert & Uwe Tobias in der Sammlung des MoMa, die derzeit ausgestellt waren. Eine schöne Begegnung. Alles in allem: New York ist immer eine (Kunst)Reise wert.

9. März 2012

Auf den Spuren Le Corbusiers

Abgelegt unter „Reisebericht,Vermischtes ” von Annette Hans um 11:22

In einer Zeit relativ unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg gab es in Frankreich eine „Art Sacré“ Bewegung, die – auf einen Dominikanermönch als treibende Kraft zurückgehend – die Kluft zwischen zeitgenössischer Kunst und katholischer Kirche zu überbrücken suchte. In ganz Frankreich wurden ungläubige Künstler (welch unpassendes Wort, wenn es sich um Kunst dreht) beauftragt, Kirchen zu bauen und diese auszustatten. In diesem Zusammenhang entstand die Chapelle de Vence von Henri Matisse in Südfrankreich (1949-51), die mich zuallererst mit diesem Vorstoß der Kirche bekannt gemacht hat. Aber auch Fernand Leger, Germaine Richier, Jean Bazaine und weitere Künstler beteiligten sich an weiteren Kirchenbauprojekten.

Das vermutlich bekannteste Bauwerk, das aus dieser Bewegung hervorging, ist die Wallfahrtskirche Notre Dame du Haut, die Corbusier oberhalb des Dorfes Ronchamp in Frankreich 1954 erbaute. Mir bisher nur von Bildern und aus Texten bekannt, war der Besuch dieses Ortes ein ziemlich großartiges Erlebnis, das im Übrigen auch alle Kunst, die ich zuvor in Karlsruhe und anschließend in Paris zu sehen bekam, weit in den Schatten gestellt hat.

 

Warum? De facto keine Ahnung. Vielleicht weil sie in einer schneebedeckten Landschaft stand, einsam und allein, so eisig kalt, dass meine Mütze, die ich, anständig erzogen, brav ausgezogen hatte, auf der Kirchenbank festfror. Weil es keine Galerieassistenten usw. gab und alle klassischen Kategorien ausgehebelt wurden? Und vielleicht letzten Endes doch, weil es sich um eine Kirche handelt.?

Aber kurz stopp und Zeitreise zurück: Denn es gab natürlich trotzdem einiges zu sehen, was auf die eine oder andere Art Erwähnung verdient.

Die Ausstellung „Full Firearms“ von Emily Wardill, die sich um den zentralen, gleichnamigen Film gruppierte, war den Besuch in jedem Fall wert. Ob das räumliche Szenario, die Abfolgesituation entgegen einer Verdichtung, die die Räume des Badischen Kunstvereins in Karlsruhe notwendig mit sich zu bringen scheinen, der Konzentration und dem Wahnsinn des Films gerecht wurde, wage ich ein bisschen zu bezweifeln, aber der Film war, trotz meines Nichtverstehens – die Länge des Films hat ein vollständiges Ansehen direkt unmöglich gemacht – fesselnd. (Geholfen hätte sicher auch ein Ansehen von Anfang an. Wieso eigentlich ist das kaum möglich, zumal doch oft genug alleine in so einem Raum steht) Dieses Phänomen bestimmt ohnehin alle meine Begegnungen mit dem filmischen Werk von Wardill und die Kommunikation zwischen dem Film und mir ist anfangs fragmentarisch, wird aber zunehmend fantastisch. Souverän inszeniert verschränken sich die verschiedenen Ebenen und Wahnvorstellungen des Plotts, der sich um Imelda, die Tochter eines Waffenfabrikanten dreht. Den Geistern der Toten, die durch seine Waffen gestorben sind, will sie eine Heimstatt bauen lassen und verstrickt sich zunehmend in ihr Vorhaben.

Emily Wardill, Fulll Firearms (Filmstill), 2011

Emily Wardill, Fulll Firearms (Filmstill), 2011

Außerdem noch: Helmut Dorner bei der Galerie Kadel Willborn, die äußerst sympathische Räume haben, und dessen Bücher mit ihrem ausgeklügelten Präsentationssystem. In wöchentlichen Wechseln wurde dieses vom Künstler selber umgestaltet, im Zuge dessen er dann auch die Seiten umblätterte.

Installationsansicht, Flussstück mit Blumen, 2011, Galerie Kadel Willborn, Karlsruhe

Installationsansicht, Flussstück mit Blumen, 2011, Galerie Kadel Willborn, Karlsruhe

In Paris haben die Galerien in Belleville durch Hipness beeindruckt. Das Setting bei Balice Hertling war schon ausgesprochen cool, auch das Prinzip – das bei Jocelyn Wolff ebenso realisiert ist – die Decke in ihrem unfeinen Rohzustand zu belassen und nur den Rest herzurichten, bringt einen Moment der Entspanntheit mit sich. Die Zustände des Reto Pulfer mag ich ohnehin, so dass mir, wenig überraschend, seine Ausstellung gut gefallen hat.

Die Ausstellung „Demands & Supplies“ von Matthieu Laurette bei Gaudel de Stampa war ebenfalls erfrischend. Zum Anschaffungspreis konnte man Zertifikate für die Dinge kaufen, die der Künstler erworben hatte – Teller, Stühle, Technik usf. – und somit mäzenatisch sein Leben und Schaffen finanzieren. Wen überrascht es, dass vor allem die kleinen, günstigen „Demands“ mit roten Punkten versehen waren, obwohl es sicher eher die teureren Anschaffungen waren, die sein Künstlerdasein eingefordert haben.

Matthieu Laurette, Things, 2012, Courtesy Gaudel de Stampa

Matthieu Laurette, Things, 2012, Courtesy Gaudel de Stampa

Sonst: Der Buchladen castillo/corrales, der gerade eine Ausstellung von Roma Publications zeigte, und ein elegantes Konzept zwischen Galerie und Buchladen verfolgt, womit er weit mehr beeindruckt hat als der Promostore von Yvon Lambert. In Reproduktionen verlieren sie ungemein, aber im Original dort an der Wand, haben die Malereien von Kees Goudzwaard durchaus ihren Raum beansprucht.

Und davor, danach, dazwischen immer wieder Le Corbusier. Sehr schön seine Bauten innerhalb der Cité Internationale Universitaire de Paris für Brasilien und die Schweiz, wobei das Foyer des Brasilianischen Hauses weit interessanter ist als das der Schweiz (gegen einen geringen Kostenbeitrag von 1-2 € sind beide zu besichtigen). Die niedrige Decke wird durch Fluchten elegant geweitet, das Fensterband tut sein übriges und die Räumlichkeiten sind durch feste Einbauten strukturiert, die – abgesehen von den Pflanzen – das einzige Mobiliar darstellen.

Maison du Brésil, Le Corbusier

Noch viel deutlicher aber stellte das Maison La Roche (Nähe Bois de Boulogne) die Sensibilität der corbusierschen Raumgestaltung heraus. Die Art und Weise, wie er Farbe benutzte, bis wo in der einen gestrichen und wo zur nächsten gewechselt wurde und das dadurch noch verstärkte Verschmelzen der Einbaumöbel mit dem Raum, die einfach wie Wand behandelt wurden, ist überaus bemerkenswert. Die Räume sind auf diese Weise derart als Einheiten begriffen, dass sich selbst ohne Mobiliar kein Unwohlsein einstellt.

Maison La Roche, Le Corbusier

Von Genie will ich nicht sprechen, aber in jedem Fall: Chapeau!

In unmittelbarer Nachbarschaft (zwei Straßen weiter) lohnt übrigens auch die Rue Mallet-Stevens mit diesen wunderschönen Betonkakteen einen Schlenker.

16. November 2011

Bau dir dein Jahresgaben-Heft!

Abgelegt unter „Sehenswert ” von Beate Anspach um 17:44

31. Oktober 2011

Venedig Biennale 2011

Abgelegt unter „Reisebericht,Review ” von Annette Hans um 18:54

Zuvor hatte ich viel Kritik gehört und gelesen, aber: ich teile diese Meinung nicht. Naturgemäß ist nicht jede Arbeit und jeder Pavillon uneingeschränkt großartig – das wäre auch viel verlangt bei der schieren Menge an Positionen. Denn in wie vielen kleineren Ausstellungen findet man schon jede Arbeit toll?

Es gab natürlich auch negative Highlights wie den venezianischen Pavillon, der sogar den italienischen noch übertroffen hat. Auch Boltanski ist meiner Meinung nach vor allem großspurig und pathetisch und verhandelt das komplexe Ausgangsthema kaum. Eine Reduktion des Lebenslaufes auf Produktionsästhetik mit Zählwerk, auf Irrläufe und Partizipation über ein altbekanntes und beliebtes Spiel, das aus der 3-Teilung Stirn, Nase, Mund neue Gesichter generiert reicht für mich nicht besonders weit. Da haben Allora & Calzadilla mit ihrem musikalischen Geldautomaten Partizipation schon netter gestaltet. Vollends ausgereift gab es dann Besucherteilhabe in der Biennale-Ausstellung von Norma Jeane: Bei der Eröffnung war es wohl noch ein großer Block aus Knetgummi in den Farben Schwarz, Weiß und Rot. Mittlerweile ist der ganze Raum von einer weniger minimalen, sondern eher abstoßenden Ästhetik: ein wildes Gemisch aus Knete, wenig künstlerisch und nur manches Mal humorvoll, so das Werk vermutlich unzähliger, an dieser Stelle aufatmender Schulklassen.

Norma Jeane

Norma Jeane

Ansonsten gab es viel Schönes – und ich meine wirklich ästhetisch schön, aber das soll ja kein Hindernis sein. Es fiel nur auf, machte allerdings auch den Arsenalebesuch sehr angenehm, da einzelne Arbeiten wie auch ganze Raumensembles präzise komponiert waren. Sehr gut gefallen haben mir die Arbeiten von Annette Kelm mit ihrer Thematisierung von Fotografie als Praxis ebenso wie ihren abstrakten Verschmelzungen zwischen Motiv und Hintergrund. Ein schönes Pendant hatten sie in den Fotografien von Elad Lassry, dessen Film mir allerdings im nicht unbedingt positiven Sinne rätselhaft war. Seltsam roh inmitten der ganzen Ästhetik und – selbst wenn irritierend wie bei Emily Wardill – perfekten filmischen Arbeiten war die Doppelkanalprojektion von Mohamed Bourouissa, die junge Männer anhand des Pokerspiels porträtierte, indem er dokumentarische und Interviewmaterialien unprätentiös aber ohne der Zufälligkeit trashiger Aufnahmen zu erliegen kombinierte. Weiterhin gelungen die Arbeiten von Shahryar Nashat, Josh Smith, der auch eine sehr schöne Buchpräsentation im Bibliothekspavillon hat, außerdem Carol Bove sowie die beiden Para-Pavillons von Monica Bonvicini und Oscar Tuazon (in den Giardini im Außenbereich).

Carol Bove - Arsenale (Detail)

Carol Bove - Arsenale (Detail)

Oscar Tuazon - Giardini

Oscar Tuazon - Giardini

Beiden gemeinsam war die bühnenhafte Leere – einmal in glänzender Inszenierung verschiedener Treppenfragmente (Bonvicini) und einmal in rohem Beton in prekärer Schieflage mit Abbruchästhetik. Ob es die Malerei von Ida Ekblad auf der Rückseite gebraucht hätte, ist eine andere Frage. So oder so aber war sein Pavillon ein angenehm rudimentärer Kommentar auf die exponierten Architekturen der Pavillons. Besonders, weil inmitten der Leere nichts geschah und auch die Soundinstallation nicht lief – aber das ist natürlich der Luxus der Zuspätgekommenen…

Ansonsten gab es aber erstaunlich wenig Schäden: Auf den Finnischen Pavillon war ein Baum gestürzt, vieles andere staubig und von Spinnen bewohnt, aber ansonsten voll instand. Sogar die so empfindlichen Arbeiten von Karla Black im schottischen Off-site-Pavillon. Sehr schön hier die kleinen, hängenden Papierarbeiten, die den großen, unmittelbarer materiallastigen Arbeiten ein schönes Pendant zur Seite stellen. Der Seifengeruch war etwas entwichen, so dass ich mir vorstellen kann, dass die Arbeiten nun weniger penetrant und damit selbstgenügsamer waren, aber so oder so wieder ein lohnenswerter Spaziergang dorthin. Das kann man von diversen anderen Off-site-Orten allerdings nicht unbedingt behaupten.

Karla Black - schottischer Pavillon

Karla Black - schottischer Pavillon

Aber zurück in den hinteren Bereich der Giardini. Der klaustrophobisch inszenierte österreichische Pavillon beherbergte einen wiederum äußerst präzisen Film von Markus Schinwald sowie Malereien und kleine Objekte aus Möbelbeinen an seltsamen Orten. Kleine Gesten zwar, aber gerade deshalb umso wirkungsvoller. Und der Film ergänzte sie in seiner Absurdität – sowohl der menschlichen Handlungen als auch der „Verhaltensweisen“ von Objekten und Architektur.

Auch die Filme von Yael Bartana im polnischen Pavillon zeichneten sich durch eine spezifische Inszenierung des Seltsamen aus. Dem stand der ungarische Pavillon mit Crash – Passive Interview von Hajnal Németh nichts nach. Als gefilmte und in Form von Librettos vorgetragene Interviewsituationen erläuterten und verwirrten sie die Präsentation des gecrashten BMWs ganz wunderbar. Besonders die in BMW-Produktions- oder Präsentationstätten (?) geführten Dialoge waren bemerkenswert.

Hajnal Németh: CRASH - Passive Interview, video still, 2011, camera: István Imreh

Hajnal Németh: CRASH - Passive Interview, video still, 2011, camera: István Imreh

Den Pavillon von Uruguay haben zwei Künstler bespielt, wobei mir der Film von Alejandro Cesarco aufgefallen ist. Einmal wegen der speziellen Art der Präsentation – ein Stativ hielt die kleine Projektionsleinwand quasi von rechts ins Bild – und einmal wegen der so persönlichen und ruhigen Dialogform, die immer wieder durch kompositorische Eigenheiten ästhetisiert und relativiert wurde.

Die restlichen Pavillons waren zwar auch weitgehend solide, haben sich aber auch nicht unbedingt durch etwas ausgezeichnet. Hirschhorn bei den Schweizern vielleicht noch, aber von ihm bin ich kein Fan, muss aber zugeben, dass mich der Wahnsinn, mit dem alles in einer Kristallstruktur untergeht, doch beeindruckt hat.

Josh Smith

Josh Smith

Zum Schluss noch der ehemalige italienische Pavillon: Auf der Front die Ankündigung „Illuminations“ von Josh Smith, im ersten Hauptraum dann die Enttäuschung gut bewachter aber nicht wirklich wirkender Tintorettos. Den Beweggrund, sie dort auszustellen, habe ich leider für mich nicht ergründen können. Und die Sicherungssysteme der wertvollen Gemälde waren auch irgendwie seltsam: Ominöse, weiße Keile, die auch andernorts zum Einsatz kamen, zumeist aber nicht ganz so fremd wirkten wie dort. Der weitere Rundgang hat dann die erste Enttäuschung wieder wett gemacht: Seltsame Filme von Nathaniel Mellors, ein schöner Film von Omer Fast, Malerei (?)/ Installation von Das Institut (die wohl auch hier im Norden bald zu sehen sein werden, wie ich hörte) und Objekte von Nairy Baghramian. Was es mit Polke und der Biennale-Ausstellung auf sich hat, weiß ich auch nicht so recht, aber sein Polizistenschwein, von zwei der ausgestopften Cattelan-Tauben beäugt, hat mich erfreut.

Trotzdem: Es war letztlich aber doch wieder angenehm im Museo Correr in kleiner, aber feiner Manier eine normal dimensionierte Ausstellung von Julian Schnabel zu sehen. Und wäre der von Carlo Scarpa an der Piazza San Marco gestaltete Olivetti-Showroom offen gewesen, hätte dieser sicher zu den Highlights der Venedigreise gezählt.

Carlo Scarpa - Olivetti Showroom

Carlo Scarpa - Olivetti Showroom

13. Oktober 2011

“Workshop in progress” im Kunstverein. Ein Film von Jasmin Luu

Abgelegt unter „Sehenswert ” von Beate Anspach um 14:50

30. September 2011

Plamen Dejanoff über “The Bronze House” bei whitetube.de

Abgelegt unter „Sehenswert ” von Beate Anspach um 13:23

30. August 2011

Z wie zappenduster

Abgelegt unter „Sehenswert ” von Beate Anspach um 10:29

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