30. August 2011
4. August 2011
Ein kleine Reise durch Lettland und Litauen
Ein kleine Reise durch Lettland und Litauen, Juli 2011, 2 Wochen
Von Riga – nach Liepaja – nach Nida – nach Vilnius – nach Kaunas – nach Nida
Riga, die Schöne mit den Jugendstil- und Art Déco-Häusern, den Parks und der Kamerabewachung. Die Kriminalität und das Nachtleben, das den Tourismus wohl boomen lässt, haben wir verpasst, so dass Riga mir als eine ruhige Großstadt mit einer angenehmen Portion entspannten Lebensstils erschien. Vielleicht bedingt durch einen guten Anfang an einem Ort, der irgendwo zwischen Galerie, Gadget-Laden und Restaurant mit Miniaturküche lag (in einer Querstraße zur Lacplesa). Sehr zu empfehlen, nicht der Kunst wegen, sondern des Essens halber.
Kunstmäßig, nun ja, wir waren im kim? (Abkürzung der Frage „Was ist Kunst?“), dem wohl als Vorläufer zu einem Museum oder einer Kunsthalle geplanten, einzigen institutionellen Ort für zeitgenössische Kunst. Es gab ein Screening-Programm und 2 Ausstellungen, die sehr schwarzweiß angehaucht waren und recht beliebig wirkten.
Was ich aber sehr wunderbar fand, war die Feststellung, das im Lettischen Namen in die Sprache eingepasst werden: „Suzenas Sontagas camp kino“.
Hinter den großen Markthallen gelegen, wird auch hier ein ehemals semi-industriell geprägtes Gebiet langsam zu einem Ort der Kultur umgemodelt. Neben dem kim? mit seinem vielleicht etwas zu schicken Restaurant gibt es noch Cafés und Kneipen, die verschiedene kulturelle Aktivitäten im Programm haben, usw.
Das verbindende Element unserer Erfahrungen mit Kunst in Riga schienen ausgestopfte Tiere zu sein. Zumindest begegneten sie uns in dem zweiten größeren Ausstellungsraum, in den man uns schickte, wieder. „Riga Art Space“, sollte eigentlich ein Parkhaus unter dem Rathausmarkt werden, wurde aber dann zu einer Ausstellungshalle umgebaut. Es gibt dort 2 Räume: einen großen, von Saulen strukturierten Raum (eigentlich ist es eine Halle, aber gefühlt passt das Wort nicht recht, da man sich ja unter der Erde befindet – so guckt man auch zunächst auf die Ausstellung runter, da man ja von weiter oben kommt…) und einen kleineren White Cube, der sich vor allem den jüngeren lettischen Künstlern und Kuratoren widmet, da es für sie dort nicht viele unkommerzielle Projekträume gibt. Es gibt ein paar Galerien, aber die scheinen vorwiegend auf etablierte, teils dekorative Malerei gebucht zu sein.
Als wir im Art Space waren, gab es eine Ausstellung lettischer Angewandter Kunst (“Decorative and Applied Arts in Latvia (1960-1990) from the Collection of the Latvian Artists Union”) und Kristians Brekte (*1981, lebt in Riga) im Intro-Raum. Leider war seine Austellung – trotz oder gerade wegen ausgestopfter Tiere ??? – ein Trauerspiel im Gegensatz zu der souveränen Textil-Ausstellung: Sehr voll, aber tipp-topp gehangen, stoffbezogene Sockel und graue Stellwände, die auch genau das waren und nicht so taten, als seinen sie wirklich Wände, die schon immer dort standen , d.h. ohne so breit zu sein wie die Säulen etc. Seit der Reise bin ich der festen Überzeugung, dass man Stellwände wirklich klassischerweise am besten Stellwände sein lassen sollte und nicht whitecubeartige Wandimitationen.

Noch 2 sehr angenehme Atelierbesuche und ansonsten Architektur.
Der Vater von Sergeij Eisenstein war in Riga als Architekt tätig und hat dort einige sehr imposante Bauten geschaffen. Hier kann man auch sehr schön einen Übergang vom Historistischen, übers Florale zum eher mechanisch-kantigen beobachten. Diese Prachtbauten konzentrieren sich zwar auf ein paar wenige Straßen, aber gerade bei weiter gefassten Streifzügen lässt sich noch das eine oder andere Schätzchen entdecken. Der Art-Déco-Bestand ist auf jeden Fall immens.
Weiter ging’s nach Liepaja und Karosta – sehr zu empfehlen, wenn man sich günstig ein verfallenes Holzhaus oder einen Plattenbau kaufen möchte –: ein traumhafter Strand und ein nettes gemütliches Städtchen.
Danach einige Tage auf der Kurischen Nehrung, in der Nida Art Colony. Die Kolonie befindet sich an einem überaus traditionellen Ort, denn dort hat schon Thomas Mann seine Sommerfrische genossen, ebenso wie diverse andere Künstler. Wunderbar gelegen zwischen dem Dorf Nida, das zum Haff hin gelegen ist, und dem Strand, unweit der großen Parnides-Düne. Die Kolonie ist in ihrer jetzigen Form sehr neu (die ersten Residents waren dort im Frühjahr diesen Jahres) und ist der Kunstakademie in Vilnius angeschlossen. Es gibt einerseits 5 Studios für Residencies, die jeweils zweistöckig sind und in denen man gut leben und arbeiten kann. Außerdem gibt es noch ein zweites Gebäude, in dem kleine 1-Zimmer-Appartements sind, in denen öfters Studenten aus Vilnius untergebracht sind, wenn für sie Workshops stattfinden, oder Tagungsgäste etc. bei anderen Veranstaltungen.
Das eine oder andere muss sich sicher noch einpendeln, aber alles in allem schon lohnenswert. Im nächsten Jahr gibt es auch ein vom Goethe-Institut finanziertes Residency für einen deutschen Künstler. Ich finde, bewerben lohnt sich (noch gibt es allerdings keine Ausschreibung).
Früher gab es noch ein Residency für Schriftsteller in Nida, das aber wohl eingestellt wurde. Heute ist das Areal in ein Hotel umgewandelt, aber die Architektur ist speziell und das Dachterrassenrestaurant hat einen erstklassigen Ausblick.
Vilnius: Die Stadt der Kirchen und des Barock wie es scheint – das hatte ich nicht so ganz vermutet. Die Jesuiten haben sich dort recht breit gemacht und es gab eine große Anzahl von Klöstern. Und wie Riga wiederum eine Stadt mit angenehmem Lifestyle – das mag aber auch diesmal an Sommerzeit und Sonne gelegen haben (ich glaube aber nicht nur). Die Gebäude der Kunsthochschule liegen in der Innenstadt (außerdem betreibt sie Ableger in anderen litauischen Städten, so dass man de facto in Litauen nur an ihr studieren kann). Die hochschuleigene Galerie allerdings war eine Enttäuschung. Sie scheint mit den Studierenden aber so gar nichts zu tun zu haben und zeigte ältere, nicht besonders gute Kunst. Das Center for Contemporary Art ist da schon ganz anders, obwohl die Ausstellungen beide auch keine Highlights waren (zeitgenössische österreichische Kunst und litauische Grafik). Am präsentesten war die Innenraumgestaltung eines Künstler-Designers: Flugzeugflügel als Tresen, Plastikwannen als Regal und Sitzgelegenheiten sowie weitere mit Plane bespannte Sitzgelegenheiten, die man leicht für die Hauptarbeit halten konnte.
Die Szenetreffpunkte sind das CAC-Café und das Gorki – beide mit angenehmer Stimmung und netten Gästen – so wurde uns gesagt.
Über das Zentrum hinaus ist es auch recht interessant, sich ein bisschen in andere Bezirke vorzuwagen – auch wenn die Einheimischen uns davon abrieten, dort zu Fuß unterwegs zu sein.
Hier findet man dann auch wieder reichlich Platte und am Rande, am Fluß gelegen, das Nationalmuseum für Kunst. Ein schöner Bau mit ebenfalls schönen Arbeiten. Bis auf Deimantas Narkevicius war mir (da ich mich in der Region wirklich gar nicht auskenne) niemand ein Begriff, so dass es auch ein bisschen was zu entdecken gab.
Kommerzielle Galerien gibt es in Vilnius scheinbar so gut wie keine. Die einzige Ausnahme ist nach dem Weggang von Tulips & Roses die Galerija Vartai mit schönen Räumen und einer ganz gelungenen, wenn auch etwas sehr formalistischen Ausstellung von Pierre Labat und Tomas Martisaukis.
Auf dem Rückweg noch ein Stop in Kaunas mit einigen erstaunlichen Entdeckungen; unter anderem ein Betonmonument am Stadtrand, das Treffpunkt der Jugendlichen ist und an die im dortigen KZ getöteten gemahnt. Sehr beeindruckend.
Wie übrigens auch die so wunderbar gestalteten Bushaltestellen Litauens.
1. August 2011
And the winners are:
Herzlichen Glückwunsch! Bezüglich des Poster-Versandes werden wir uns noch einmal bei euch melden. Die Entscheidung ist der Jury allerdings nicht leicht gefallen. Alle anderen, die dieses Mal leider leer ausgehen, danken wir für ihre Beiträge. Und hoffen auf ein Wiedersehen im Kunstverein.
Fotoaktion Charley Harper
Die Fotoaktion zu Charley Harper ist heute zu Ende gegangen. Und wir haben großartige Bilder erhalten. Vielen, vielen Dank an alle, die sich daran beteiligt haben. Hier noch einmal alle eingereichten Fotos:


















































